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Fernsinn trifft Karpaten – Warum Transsilvanien unter die Haut geht

  • Autorenbild: Anja Horn
    Anja Horn
  • 13. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Okt.


Wo Europa noch echt ist

Es gibt Reiseziele, die du aus einem Bildband kennst. Dann gibt es Orte wie Transsilvanien – oder besser gesagt: Siebenbürgen. Zwei Namen für eine Region, die längst mehr ist als ein geografischer Ort. Da ist nichts auf Hochglanz poliert. Keine Kulisse. Kein Fake. Stattdessen: Weite, Wildnis, Wald.

Ich reise seit fast zwanzig Jahren immer wieder nach Siebenbürgen. Nicht, weil es bequem ist. Sondern weil es berührt. Rumänien bleibt roh, ehrlich, ungeschönt – und genau darin liegt seine Schönheit. Die Landschaft wirkt oft wie aus der Zeit gefallen. In dieser Langsamkeit liegt ein Zauber, der mich nicht mehr loslässt.


Jedes Mal ein neues Kapitel

Doch Rumänien berührt mich jedes Mal anders. Dieses Mal war es das Licht über den Bergen. Die Stille am frühen Morgen, als der Nebel noch tief in den Tälern hing. Das Glück, mitten im Nichts einen Braunbären in der Abenddämmerung zu sehen. Still. Majestätisch. Zum Greifen nah.


Die Magie der Karpaten

Die Karpaten sind kein Reiseflirt. Sie verlangen Geduld. Ein SUV und die Bereitschaft, den Plan auch mal loszulassen. Denn wer durch Siebenbürgen fährt, kommt früher oder später vom Weg ab. Genau das ist der Zauber.

Du fährst auf der Transfăgărășan-Hochstraße, die sich wie ein silbernes Band durch die Berge windet. Du wanderst durch die Bicaz-Schlucht und glaubst, gleich schließen sich die Felswände über dir. Du betrittst Schloss Sinaia, das aussieht wie ein Märchenpalast für Erwachsene. Wenn du denkst, es könnte nicht schöner werden, stehst du in Bran vor einem Schloss, das nichts mit Dracula, aber alles mit dem Gefühl von ländlicher Idylle zu tun hat.


Zwischen Thermalquellen und Kopfsteinpflaster

In Sovata wartet wohltuend warmes Thermalwasser auf dich. Der kleine Kurort ist wie eine Verschnaufpause in einer Welt, die sich sonst so schnell dreht.

Dann geht es weiter nach Bogdan. Auf einer staubigen Schotterstraße führt der Weg bis zu einer einfachen Bergbaude, wo Ruhe und Fernsicht den Ton angeben. Wer weiß, wie lange es diese Idylle noch geben wird.

Sighişoara – diese farbenfrohe Perle, in der einst der berühmte Vlad Țepeș geboren worden sein soll, erzählt ihre Geschichte auf jedem Stück Kopfsteinpflaster.


Auge in Auge mit dem Ursprünglichen

Über 60 % der europäischen Urwälder liegen in Rumänien. In ihnen schleichen Bären, Wölfe und Wildkatzen. Und ja – du kannst dabei sein. Wenn du mit einem Ranger im Geländewagen in die Dämmerung fährst. Wenn du zum Hochsitz läufst und dein Herz so laut schlägt, dass du denkst, der ganze Wald hört es. Wenn dann plötzlich ein Braunbär die Lichtung betritt, mächtig und beinahe lautlos – dann weißt du, was Wildnis wirklich bedeutet.

Rumänien schmeckt wie früher

Die rumänische Küche ist deftig, ehrlich und hausgemacht. An fast jedem Ort findest du ein kleines Restaurant mit Holzloggia, dampfendem Eintopf und eingelegten Gurken wie aus der Kindheit. Besonders ins Herz geschlossen habe ich das ARCO Fogado in Korond, das KOTYOGÓ in Lupeni – dort wird als echte Rarität sogar Bärenfleisch serviert, zart und überraschend fein im Geschmack – und das DOR Bran, wo rustikale Tradition auf moderne Kulinarik trifft.

Langsamkeit als Luxus

Transsilvanien ist kein Ort für Eilige. Wer es wagt, sich auf die Langsamkeit einzulassen, wird belohnt mit Landschaften, die atmen. Mit Menschen, die einladen, obwohl sie deine Sprache nicht sprechen. Mit Momenten, die mehr sagen als tausend Worte.

Es war nicht das Schloss. Es war nicht der Bär. Es war nicht der Palinka.

Es war das Gefühl, angekommen zu sein. Dort, wo Europa noch wild ist - und echt.


Was bleibt:

Der Duft von Heu in der Nachmittagssonne. Die fast wortlose Verständigung beim Abendessen mit einer rumänischen Familie. Das letzte Licht über dem Balea-See. Ein Wald, der atmet – auch wenn wir längst weitergezogen sind.



Rumänien trifft dich mitten ins Herz und lässt niemanden ungerührt.


Sighișoara Fernsinn welt

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